Eine Woche nach dem jüdischen Passahfest wurde hier in Jerusalem vom 24.04.-27.04.08 das orthodoxe Osterfest gefeiert. Gerade aus dem Interesse an den Ostkirchen habe ich mir dieses Ereignis nicht entgehen lassen und bin bei verschiedenen liturgischen Feiern zu Gast gewesen, was sehr beeindruckend war. Denn einerseits durfte ich feststellen, wie ähnlich doch die ostkircklichen Liturgien zum Teil unseren westlichen Formen der röm-kath. und evang. Kirchen sind. Andererseits war ich fasziniert von der Lebendigkeit, Ernsthaftigkeit, Vielseitigkeit und Leidenschaftlichkeit wie dort miteinenader das Osterfest gefeiert wurde. Gerade in Bezug zur gelebten Gottesdienstform meiner eigenen ev. Kirche habe ich gemerkt, wie arm wir doch an Traditionen sind und wie schwer es uns fällt, auch liturgisch unsere Gefühle der Trauer und Freude im Kontext des Osterfestes zum Ausdruck zu bringen. Nach meiner eigenen Empfindung unterscheiden sich unsere ev. Ostergottesdienste nur wenig von sonstigen Gottesdiensten des Kirchenjahres, was ich mehr und mehr als großes Defizit ansehe, auch wenn sich langsam Veränderungen vollziehen. Nicht nur was die Ostkirchen betrifft, sondern auch von der röm.-kath. Kirche ist daher m.E. wieder einiges zu lernen und sogar zu übernehmen. Mittlerweile bin ich u.a. zu der Überzeugung gekommen, dass gerade der Glaube Symbole und Orte braucht, an denen er sich festmachen kann. Ein rein verinnerlichter Glaube reicht nicht vollkommen aus, auch wenn er ein großer Schatz ist. Nicht nur in Krisenzeiten ist es hilfreich, sich dieses Glaubens durch äußere Zeichen und Symbole zu vergewissern. Auch wenn vielleicht oftmals die Gefahr besteht, einen rein äußerlichen Glauben dadurch zu fördern. Als Beispiel für hilfreiche Symbolik will ich hier von röm.-kath. Seite das Aschekreuz als Symbol der Vergänglichkeit des Lebens nennen, das am Aschrmittwoch auf die Stirn zu Beginn der Fastenzeit gemalt wird. Oder auch das Weihwasser am Kircheneingang, das mit der Bekreuzigung an die eigene Taufe erinnern soll. Von orthodoxer Seite ist mir beim diesjährigen Osterfest, die Entzündung des heiligen Lichtes im Grab Jesu wichtig geworden. Nach der Trauer der Passionszeit geht dabei der Patriarch in das Grab und entzündet dort als Zeichen der Auferstehung und des Lebens das Licht, um es anschließend mit dem Ruf "der Herr ist auferstanden" nach draußen zu bringen und den wartenden Gläubigen weiter zu reichen. Mit seinem Ruf brach in der Grabeskirche ein unvorstellbarer Jubel aus. Die anwesenden Gläubigen vieler Konfessionen begannen zu klatschen, zu rufen, sich zu umarmen und über dieses Osterwunder zu freuen. Ein sehr eindrückliches Erlebnis für einen nüchternen Protestanten wie mich, der so etwas bisher noch nicht gesehen hatte.
Im Ganzen bin ich sehr froh, diese Vielseitigkeit gelebten Glaubens in verschiedener Hinsicht erlebt und auch persönlich z.T. verinnerlicht zu haben. Nicht weil ich zuletzt dadurch meine eigene protestantische Gottesdienstform in einem anderen Licht wahrnehmen konnte. Vielleicht werden meine abstrakten Beschreibung durch meine Fotos etwas deutlicher, die im nächsten Post zu finden sind.
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